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Rhönradturnen ist eine Turnsportart.
Und um Rhönradturnen in Osteuropa bekannt
zu machen, lag der Gedanke nahe, die Turnsport-Föderationen
dieser Länder
anzusprechen. So begann ich vor Monaten
per Internet und Telefon, Kontakte zu
verantwortlichen Damen und Herren des
Turnsports in verschiedenen Ländern
Osteuropas zu knüpfen.
Bereits das war vergleichsweise schwierig,
denn in den osteuropäischen Ländern
ist das Rhönrad unbekannt. So begannen
die Gespräche mit dem Beschreiben von
„in großen Rädern turnenden
Sportlern“. Dabei hatte ich stets die leise Hoffnung,
dass der Gesprächspartner am anderen
Ende der Leitung irgendwie und irgendwo
schon einmal etwas über das Rhönrad
gehört oder gelesen hat und dass er weiß,
ob es in der jeweiligen Landessprache
bereits einen Begriff für unser Turngerät gibt.
Meine Hoffnungen wurden fast immer enttäuscht.
Und so beschrieb ich fleißig weiter
und machte Reklame für Otto Feicks
Erfindung. Nach einem Hinweis auf vier Rhönradturn-Weltmeisterschaften
ohne Beteiligung von Turnern aus Osteuropa
(Miro Zorbic, Weltmeister im Rhönrad
1997, aus Serbien möge es mir nachsehen)
stellte ich dann die entscheidende Frage:
„Haben Sie Interesse daran, das
Rhönradturnen kennenzulernen ?“
Darauf erhielt ich die verschiedensten
Antworten. Vom kurzen und knappen „Nein“
über „Es klingt recht interessant,
und wer bezahlt das ?“ bis zu
„Ja, wir haben Interesse“.
Im Laufe der vergangenen Wochen ergaben
sich intensivere telefonische Kontakte
zu Sportfreunden aus Bulgarien,
der Slowakei und aus Polen. In der Slowakei
zeigte man sich besonders interessiert
und tatkräftig. Mit dem Wissen um das
Engagement Jo Russer’s für die internationale
Verbreitung des Rhönradturnens
bot ich den Slowaken ein Schauturnen des
TSB Flensburg an.
Sehr bald stellte sich also die Frage,
wann und wo der Moment günstig sein könnte,
mit den Rhönrädern durch die
Slowakei zu rollen. Am 10. Mai kam dann der
Vorschlag aus Bratislava, im Rahmen der
slowakischen Gymnaestrada vom 1.-3. Juni
in Trnava aufzutreten. Und so geschah
es dann auch.
Trotz des Wettkampfstresses der Monate
Mai und Juni waren die Flensburger bereit
und reiselustig genug, in die Slowakei
aufzubrechen. Herzlichen Dank an dieser Stelle
an Jo Russer, Karen Floegel und ihre 5
Mitstreiter vom TSB !
Nach einem Zwischenstopp in Prag trafen
wir also am späten Nachmittag des 1. Juni
in Trnava bei Bratislava ein. Die slowakischen
Veranstalter hatten unseren ersten
Auftritt bereits für Freitag Nachmittag
vorgesehen, denn auf dem mittelalterlichen
Markt fand ein Altstadtfest unter dem
Thema „Sport und Gesundheit“ statt.
Gern hätten wir die Möglichkeit
für einen Auftritt genutzt, aber leider erwies sich
weder der kopfsteingepflasterte Marktplatz,
noch die 5 x 10 Meter kleine Bühne
als rhönradtauglich.
So blieb der Samstag und der Sonntag. An
beiden Tagen fanden in der Trnavaer
Turnhalle die Offenen Slowakischen Meisterschaften
im Kunstturnen im Junioren-
und Erwachsenenbereich statt. Gleichzeitig
wurde um den Altstadt-Pokal von Trnava
gekämpft. Besonders erfreulich war
das internationale Starterfeld. Neben Turnerinnen
aus der Slowakei waren Sportlerinnen aus
Argentinien, Deutschland, Holland, Italien,
Rumänien, Slovenien, Slovakai ,Tschechien,
Ungarn, und aus der Ukraine am Start.
Beeindruckt von den Leistungen der Turner
führten wir während der Wettkämpfe erste
Gespräche. Wir stimmten besonders
die Trainer auf unsere Auftritte ein und verteilten
Karten mit Rhönradmotiven und verschiedenen
Internet-Adressen, auf denen man
Rhönrad-Informationen und Ansprechpartner
findet. Bei all dem wurde eines immer
wieder klar: Das „Turnen in solch großen
Rädern“ ist in Osteuropa völlig unbekannt.
Am Samstag und am Sonntag turnten wir jeweils
etwa 20 Minuten.
Die Zuschauerresonanz hätte
in Trnava sicher größer sein können - auch in der
Slowakei werden Fußballspiele begeisterter
aufgenommen, als Turnwettkämpfe -
jedoch schreckte uns das wenig, denn wir
hatten es gerade auf das kompetente und
fachkundige Publikum aus den startenden
Turnnationen abgesehen.
Und wir wurden nicht enttäuscht.
Unser Auftritt am Sonntag kurz vor der
abschließenden Siegerehrung fand
besonders große Beachtung.
Mit verschiedenen Kürübungen
im Geradeturnen, Showeinlagen mit mehreren
Rhönrädern und Spiralen stellten
wir den Trainern und Kunstturnern einen großen
Teil der Möglichkeiten vor, die das
Rhönrad bietet. Ein Blick über die Zuschauerreihen
während der Rhönrad-Aufführungen
bestätigte unsere Vermutung:
- Man ging mit - Die kreisenden Räder
verursachten bei den motorisch bestens
geschulten Turnern besonders deutlich
das allseits bekannte Mitkreiseln, welches erst
den Kopf, später dann den ganzen
Körper der faszinierten Zuschauer ergreift.
Gespannt und interessiert verfolgte man
die Übungen von Karen, Melanie, den beiden
Tim’s, Christoph und Marvin und man geizte
nicht mit fachkundigem Beifall.
Tim Schmelcher beendete mit seiner abschließenden
Spirale-Show den sonntäglichen
Auftritt und verleitete die Zuschauer
endgültig zu tosendem Applaus.
Auch der Kommentar der slowakischen Veranstalter,
die vorher weder ein Rhönrad,
noch eine Videokassette vom Rhönradturnen,
geschweige denn vom TSB Flensburg
gesehen hatten, war sehr erfreulich. Sie
hätten sich das alles nicht derart anspruchsvoll,
spektakulär und mitreißend
vorgestellt.
Originalton von Herrn Novak: „Ich habe
mich während eures Auftritts intensiv unter den
Trainern und Turnern umgeschaut und weiß,
wovon ich spreche - Es hat auf alle
Anwesenden einen großen Eindruck
gemacht und ich möchte Euch dafür danken.“
So dankten wir uns gegenseitig, denn auch
uns hat es in Trnava sehr gut gefallen.
Zum Schluss folgte eine Einladung für
die Slowakische Gymnaestrada im
kommenden Jahr ! Es ist also absehbar,
dass es nicht die letzte Gelegenheit gewesen
sein wird, bei der Kunstturner Osteuropas
und Rhönradturner zusammentreffen und
möglicherweise, ja hoffentlich werden
bald auch Sportler aus den von uns umworbenen
osteuropäischen Turnnationen an Rhönrad-Trainingslehrgängen
teilnehmen.
Träume haben noch nie geschadet
;-)
Nicht geträumt haben wir jedoch eines:
Das Rhönrad ist gen Osten losgerollt.
Ines Sebesta |
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